Wenn selbst die Penner dich grüßen…

Was haben die Türkenstraße, die Schellingstraße und die Barerstraße eigenlich gemeinsam. Okay ein Tip, keine von Ihnen ist in Schwabing.

Antwort: Es hängen auf allen drei Straßen immer die gleichen Bettler rum. Alle gebückte Haltung, Krücke unterm Arm, diesen typischen 80er Regenmantel, Winterdingsbums verschnitt und stehen gerne vor den Supermärkten rum. Witzigerweise immer vor Tengelmann, als wenn Sie wüßten, dass Leute die dort einkaufen sowieso zu viel Geld haben. Jeder von euch kennt diese Typen und hat sie schon mal gesehen. Sie labern einen nicht allzu schräg von der Seite an, halten den Becher hin, du spuckst rein – nein tust du natürlich nicht – du lächelst nett, schüttelst den Kopf und gehst weiter.

Zu Recht, wie ich finde, weil bei den Kandidaten relativ offensichtlich ist, dass Sie Mitglieder irgendeiner rumänischen Drückerkolonne sind (die Rumänen werden mir diese Reduzierung auf nur eine osteuropäische Nation verzeihen). Es ist echt schon schlimm genug, dass die bei uns in der Maxvorstadt abhängen und drei sind eindeutig genug, also bloß nicht unterstützen und dem Management das Gefühl geben wäre was zu holen.

Weil mich das ein wenig ankotzt und ich mich ja auch als interner Kämpfer für ein besseres Maxvorstadt sehe habe ich angefangen die Typen zu grüßen, mit einem einfach “Grüß di” und bin einfach weiter gegangen.

Warum? – Weil sie immer “Hallo” oder “Servus” gesagt haben, wenn Sie mir den Becher hingehalten haben

Dann habe ich angefangen meine sehr einseitige Kommunikation auf “Grüß di – alles gut?” zu erweitern.

Warum? – Weil sie mich jetzt immer mit “Servus – Grüß di” angelabert haben, wenn Sie mir ihren verkackten Becher hingehalten haben.

Aber immerhin lächelten Sie ab diesem Moment immer wenn Sie mich sahen wußten sie – “Der Flach***** gibt sowieso nichts, aber das ist ein lustiges Spielchen, was wir miteinander spielen”.

Eines Tages, auf dem Heimweg von der Arbeit von der Haltstelle Universität zum Jospehsplatz mit dem 154 stand er da. Einer meiner rumänischen Drücker Freunde, auf die Krücke gelehnt, Bommelmütze auf’n Kopp und Becher in der Hand. Ich hab ihn erst gar nicht gesehen. Als ich dann in den Bus einstieg kreuzten sich unsere Blicke, ich im Bus, er auf dem Gehweg. Und er lächelte und rief “Servus, Grüß di! Servus, Grüß di!”.

Anstatt das die Leute drinnen und draußen auf den Penner klotzen, klotzen alle mich an – ich hab ihm freundlich zugelächelt und ihm zurück gewunken. Ich glaub bis heute, dass es ihn glücklich gemacht hat mich zu sehen, denn bei allen Scheißdreck den er fressen muss und den ganzen Tag rumsteht und sich scheiße v0n uns angucken lassen zu müssen (zu recht!) hat ihm unser Spielchen immer Freude bereitet – es war nur meine Art des Respekts ihm zurückzuwinken.

Und da die dämlichen Vollpfosten im Bus nicht aufgehört haben zu klotzen, gucken, starren, tuscheln: “Keine Sorge Herrschaften. Das ist einer meiner Jungs. 13:00 bis 17:00 Tengelmann Türkenstraße – aber seine Schicht ist rum, der tut keinem was.”

Sie lächelten nett, schüttelten den Kopf und klotzen weiter.

Da hab ich gelernt: Wenn selbst die Penner dich grüßen, dann bist du – ja genau – was biste dann eigentlich?

Euer
MM

2 Comments

  • Netter Artikel, vielen Dank!
    Ich hab’s gleich mal nachgemacht, beim Kandidaten vorm Tengelmann in der Görresstraße. »Servus, griaß Di!« … er hat erst recht schräg geguckt und dann frenetisch zurückgegrüßt. Aus Herzerweichung hab ich ihm dann doch einen Euro gegeben. Mein Fehler, sorry.
    Grüße vom Josephsplatz
    Opti

  • Opti, wir sind ja Nachbarn….aber nicht alles nachmachen – könnte lebensgefährlich werden!

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